Im Januar 2011 erschien bereits in der 2. Auflage 2011:

»Masuren - Mein Ort. Nirgends.« 

Bericht meiner Reise in eine Provinz vergessenen Erinnerns.

  
Masuren, das Land der blauen Seen und tiefen Wälder, das Land der unberührten Natur und jener Sehnsuchtsort vieler Deutscher, die mit der Katastrophe der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert ihre Herkunft und Heimat verloren.

 Masuren ist der südliche Teil des ehemaligen Ostpreußens, heute Teil Polens. Die Geschichte Ostpreußens, wie Deutsche sie kennen, endete am 8. Mai 1945. Sie währte 700 Jahre und droht heute für die, die das Land niemals erlebten, es niemals sahen, noch nie dort gelebt haben, hinter dem historischen Vorhang des Vergessens zu verschwinden - für immer aufzuhören und auf alle Zeiten verborgen zu bleiben.

Alles, was ethnisch dort war, gleichgültig ob ostpreußisch oder deutsch, ob polnisch, jüdisch oder kaschubisch, oder sogar noch aus prusischen Zeiten überliefert war, all das scheint vorbei zu sein.

Und das betrifft umso mehr alle diejenigen, die dort weder geboren wurden noch aufwuchsen, die nur aus den Erzählungen der eigenen Eltern oder Großeltern erfuhren, dass es dort eine Familiengeschichte gab, dass es irgendetwas davon dort noch geben könnte: und seien es auch nur verlorene Steine, von denen keiner mehr auf dem anderen blieb, deren Zeugnis aber auch mit den Erinnerungen dieser Generationen verloren zu gehen drohen.

Mit meinem Reise- und Erlebnisbericht »Masuren - Mein Ort. Nirgends.« möchte ich eine Lücke zwischen sentimentaler Erinnerungskultur und sachlich-faktischer Vergessens-literatur schließen, als einer, der dort nicht geboren wurde, der dort nie gelebt hat, aber der mit dessen eigener Biografie es irgendetwas, noch zu Unbestimmtes zu tun hat.

Das Reise- und Erlebnisbuch »Masuren« wird so zur Entdeckungsreise seiner selbst anhand einer der wunderschönsten Regionen Europas, die Suche nach einem Stück familiärer Geografie, eines geografischen Stücks eigenen Lebens und Erlebens, das sich über viele Jahrzehnte mit keiner Erinnerungslinie verbinden kann.

Ca. 380 Seiten mit 93 Schwarzweiß-Fotos im Textteil und 118 Farbfotografien in zwei Bildmittelteilen. Großes umfangreiches Glossar. Wiesenburg Verlag. Demnächst in der
2. Auflage 2011.  € 19,80. ISBN 978-3-940756-37-4




Rezensionen, Interviews und Kommentare zum Buch:


[4]  Ein Interview von Radio Warschau zum Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2011:

Das Interview von Radio Warschau wurde Mitte Oktober 2011 für die deutschen Minderheiten in Polen und die angrenzenden Regionen in Deutschland und Österreich gesendet. Es beschäftigt sich mit der Frage, wie die heutige Jugend im Blick auf ein geeintes Europa der Vaterländer die Geschichte sehen und verarbeiten sollte. Es bezieht sich auf die geschichtliche und zeithistorische Auseinandersetzung der Kinder mit Ihren Eltern und Großeltern und den Ursachen und Folgen zweier schrecklicher Weltkriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts und den Lehren, die gemeinsam daraus zu ziehen sind.

Das Interview des Polnischen Radio Warschau gibt es hier als Audio (mp3): Teil 1 und Teil 2

Bitte beachten Sie:
(C) Alle Rechte (Copyright) des Interviews liegen beim Polnischen Radio Warschau!


[3]  Rezension in den Nürnberger Nachrichten, 10. Februar 2011:

Aufrufbar als pdf-Datei:  Nahes und doch fernes Land

Nahes und doch fernes Land
Neues Buch über die Masuren und Ostpreußen erschienen

GUNZENHAUSEN (fa) - Die Ma­suren, das ist das Land der Wälder und Seen, fernab von den Menschen, die im westlichen Teil Deutschlands leben, und noch weiter entfernt von denen, die hier erst nach dem Krieg groß geworden sind. Ostpreußen mit seiner Provinz Allenstein („Olsztyn") hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es war die Heimat vieler Menschen, die in den letzten Kriegs­monaten vor den heranrückenden russischen Soldaten geflohen sind oder von den neuen polnischen Machthabern vertrieben wurden.
Nicht wenige von den ostpreu­ßischen Landsleuten haben seit der politischen Entspannung die Chance genutzt und sind in die ehemaligen Ostgebiete des Deutschen Reiches gereist, für andere war der Schmerz zu groß. Burkhard Wittek (54) hat sich vor drei Jahren auf die Reise in die Vergangenheit gemacht. Für ihn war es zugleich eine Reise in die Fa­miliengeschichte, denn seine Großel­tern und sein Vater stammten aus Ortelsburg, das zweimal gewaltig unter die Räder kam: Im Ersten Weltkrieg wurde die damalige Kreis­stadt (73000 Einwohner) von rus­sischen Truppen zerstört und auch im Zweiten Weltkrieg gab es Zerstö­rungen (45 Prozent).
Wenn ein Philologe auf eine Pro­fessorin für feministische Germani­stik trifft und sich beide auf die Su­che nach der „verlorenen Herkunft" machen und feststellen, dass es das Vollkommene in der Welt nur in der Sehnsucht gibt, die Wahrheit in der Demut vor der Vergangenheit grün­det, dann ahnt der Leser schon, dass es keinesfalls nur um das profane Leben geht. Und doch: Burkhard Wittek, der in 19 Tagen in Begleitung einer heute in Südamerika lebenden deutschen Bekannten rund 3000 Ki­lometer mit dem Mietauto durch Ostpreußen gereist ist, ist in seinem Buch „Masuren - Mein Ort. Nirgend-wo." erstaunlich konkret.
Der Überfall der deutschen Trup­pen und damit der Beginn des Zwei­ten Weltkriegs sitzt bei den Polen noch tief im Bewusstsein. Der Versailler Vertrag von 1919 hatte dem Land die Souveränität zuerkannt, zuvor aber war das Land zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt. Aus der wechselvollen Ge­schichte resultiert der Freiheitswille des Volkes. Das hat schon Chopin er­kannt: „Wenn Vaterland das erste Wort der Polen ist, so ist Freiheit das zweite."
Über Posen („Hier ist alles nach Charakter und Stil so europäisch, wie wir es selber sind") kommt der Autor nach Ortelsburg in die Ge­burtsstadt seines Vaters und die Hei­mat des Großvaters. Er trinkt in Osterode („Ostroda") sein erstes pol­nisches Bier (ein „Tyskie"), das ne­ben dem „Lech" und „Zywiec" in unserem Nachbarland am häufigsten getrunken wird. Auf der „Pensionate Agricultura" (einem Ferienbauern-haus) bemerkt er die Vorliebe vieler polnischer Männer für den „vergorenen Teil der Fruchtsäfte". Als er mit dem Kajak auf der Kruttinna fährt, da empfindet er die charakte­ristischen Züge dieser Landschaft hautnah und ergötzt sich „am See­lennektar des sommerlich duftenden Lichts Masurens". Er badet im Spir-dingsee (bei Nikolaiken) und hat überhaupt keine Angst vor dem Was­sergnom Topick. Um die geogra-fischen Verhältnisse richtig einzuord­nen: 114 Quadratkilometer hat der größte der masurischen Seen (im Ver­gleich: der Brombachsee misst 9,3 Quadratkilometer).
Schwer auf dem Gemüt liegt ihm die „Wolfsschanze", das in Trüm­mern liegende Führerhauptquartier. Er hat keine Lust, es den anderen nachzumachen und vor der Ruine für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Als er den Ort verlässt, weiß er: „Ich ha­be mehr über Deutschland begriffen als jemals in einer Geschichtsstunde." Nahe geht ihm auch das ehema­lige KZ Stutthof. Seine Begleiterin entlarvt dort auf einem Foto von fei­ernden SS-Schergen ihren Vater, der stets beteuert hatte, nur ein ein­facher Wehrmachtssoldat gewesen zu sein. Ihr männlicher Reisebegleiter versucht ihren schrecklichen Augen­blickseindruck zu erschüttern, indem er ihr eine hohe Verwechslungswahr­scheinlichkeit einredet.
Es sind mehr die kulturellen Aspekte, deretwegen der Reisende nach Allenstein kommt (Geburtsort des Astronomen Nikolaus Kopernikus und Heimat des Philosophen Johann Gottfried Herder). In Braunsberg, das zu einer unansehnlichen Platten-bausiedlung verkommen ist, hält sich der Besucher nicht auf, eher schon in Elbing, früher der schönsten Stadt an der ostpreußischen Ostsee, die auch das „Venedig des Nordens" genannt wurde. Aber auch dort missfällt die riesige Brache in der Innenstadt, das Resultat der über vierzigjährigen kommunistischen Herrschaft, die vielerorts „verbrannte Erde" hinterlassen hat. Das neue El­bing, eine auf Alt getrimmte Architektur, empfindet der kritische Besucher als „Hollywood des Ostens". Als Ferienort für Pauschaltouristen, die gehobene Ansprüche haben, emp­fiehlt sich Kahlberg-Liep mit seinem Blick zur Kurischen Nehrung. Die Preise sind aber auch entsprechend.
Alles, was Autor Burkhard Wittek in Stil und Architektur bisher bei den .Nachbarn gesehin hat, das übertrifft Danzig mit seiner einmalig schönen Frauengasse. Abertausende von Lichtern hüllen die Hafenstadt nachts in Glitzer und Glimmer. 1989 ist die alte europäische btadt zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt worden, und zwar völlig zu Recht.
Der Autor will mit seinem Erlebnisbericht eine Lücke zwischen senti-mentialer Erinnerungskultur und sachlich-faktischer Vergessens-Lite-ratur schließen. Unsere Meinung: Das ist ihm gelungen. So kann deutsch­polnisches Aufeinanderzugehen glücken. Keine politischen Querschüsse dürfen davon abhalten, das Werk der Aussöhnung voranzutreiben. In der Lage dazu ist die Nachkriegsgenerati-on nur, wenn sie der guten Nachbarschaft in einem freien Europa einen höheren Stellenwert einräumt als dem Aufrechnen von völkerrechtlichen Positionen.

„Masuren - Mein Ort. Nirgends." von Burkhard Wittek, 346 Seiten, ISBN 978-3-940756-37-4, 19,80 Euro, Wiesenburg-Verlag.



[2]  AnnetteM am 3. April 2010 auf www.amazon.de:

Eine Reise nach Masuren - und ins Geistesland der verratenen Ideale des deutschen Bürgertums
Es ist das Buch eines Nachgeborenen jener ostpreußischen Menschen, die seit vielen Generationen und über viele Jahrhunderte in Masuren lebten und im Jahre 1945 ihre Heimat endgültig verlassen mussten. Der Autor reist 18 Jahre nach dem Fall der Mauer zusammen mit seiner deutschstämmigen Begleiterin Kathrina, einer Südamerikanerin, dorthin, um das Land für sich wieder zu finden, in dem die Väter und Vorväter aufwuchsen und lebten.

Aber beide entdecken in einem wunderschönen Land aus Wäldern und Seen, aus weiten Landschaften und wieder aufgebauten Städten die Verwicklung der eigenen Vorfahren, eines ostpreußischen Bürgertums, in Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg. Sie versuchen in dieser Konfrontation mit der deutschen Geschichte für sich die Frage zu beantworten, worin sich die Schwernisse im Versuch des Erwachsenwerdens einer Jugend damals und heute ausdrücken und wie sich eine humanitäre und tolerante Kultur in den Menschen immer wieder neu einprägen und verwirklichen kann.

Dazu konfrontiert der Autor seine Reiseerlebnisse aus Wäldern, Seen und Landschaften, aus Städten und heute dort lebenden Menschen mit den Memoiren des Vaters, die in die Zeit zwischen Beginn des Zweiten Weltkriegs, die Teilnahme des Vaters am Krieg gegen Polen und die Flucht der Familie aus Ostpreußen im Jahre 1945 fielen. Er konfrontiert darin die Geschichte seiner Familie mit einer mehrhundertjährigen bürgerlichen Kultur-geschichte der Deutschen, fragt sich, was auf dem Hintergrund des Attentats gegen Hitler im Juli 1944 die Lehren aus einem nazistisch-rassistischen Regime heute sein müssen.

So versuchen Ich-Erzähler und Protagonistin in der Auseinandersetzung mit ostpreußischer Bürgerlichkeit, in der Auseinandersetzung mit deutscher Kultur und Sprache, die älter sind als das, was der Nationalsozialismus aus ihnen gemacht hat, ihren eigenen, bewusste- ren Weg nach Europa zu finden.

Ob solch hoher Anspruch in diesem Buch auch nur in Ansätzen gelungen ist, ob das Buch dafür allein schon die richtigen Fragen stellt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber man spürt, dass es sich der Autor mit dem Thema: also mit sich, seinem Vater und der deutschen Geschichte, ja dem deutschen Bürgertum, das damals seine jahrhunderte- alten Ideale verriet, nicht leicht gemacht hat.

Für mich ist es daher ein sehr engagiertes und leidenschaftliches Buch, das mich zu einem vertieften Nachdenken geführt hat, zu einer entschiedeneren Besinnung auf mich selbst. Und es gab mir Ansätze, auch gesellschaftlich-politischer Natur, die mir so und in dieser Weise dargestellt neue Aspekte des Nachsinnens boten. Also aus meiner Sicht ein tiefgrün- diges und auch abgründiges Buch, das eine echte Empfehlung für jeden (selbst)kritischen Geist sein muss!



[1] Thomas Bauer am 4. Juni 2010 auf www.amazon.de:

Burkhard Wittek geht in Masuren auf Spurensuche nach Vater und Familie
Was einem als erstes auffällt, wenn man Burkhard Witteks Masuren - Mein Ort. Nirgends" liest, sind die vielen Zitate und Anspielungen auf Werke bekannter Autorinnen und Autoren, die sich auf ihre Weise mit der deutschen Vergangenheit auseinandergesetzt haben. Das ist kein Zufall - wie ohnehin in diesem aufwändigen, akribisch recherchierten Buch nichts dem Zufall überlassen wurde. Denn Wittek erweist sich als Archäologe deutschen Gedankenguts, indem er auf die Werke und Werte hinweist, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutsch- land entstanden sind. So stellt er die Texte der deutschen Romantik, die Aufklärung im Kantschen Sinne und die Philosophie eines Fichte und Hegel dem nazibraunen Arbeiter- und Volksideal gegenüber. Ausgestattet mit diesem philosophischen Rüstzeug, als Nachkomme einer Familie aus bürgerlichem Milieu, reist er nach Masuren, in die Heimat seiner Vor- fahren, um dem allem, was für mich väterliche Herkunft war, endlich Landschaft und Ort, Straße und Haus zu geben".

Burkhard Wittek hat ein starkes, ein wohltuend eigenwilliges Reisebuch geschrieben, das die Schönheit von Masuren beschreibt - unterstrichen durch zahlreiche gelungene Bilder - gleichzeitig jedoch die dunkle Epoche des Nationalsozialismus, die das Verhältnis zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn für immer veränderte, zum Anlass nimmt, um umso vehementer für ein friedliches und fortschrittliches Europa einzustehen. Ein Europa, das sich seines Reichtums an unterschiedlichen Sprachen und Kulturen bewusst ist und diesen zum Anlass nimmt, eine echte europäische Gemeinschaft aufzubauen.

Dass ihm dieser Gedankengang so wunderbar gelingt, ist vor allem seiner persönlichen Betroffenheit zu verdanken: Überall dort, wo Wittek den eigenen Bezug aufzeigt, ist sein Buch besonders überzeugend. Zum Beispiel, wenn er direkt aus den Memoiren des Vaters heraus den deutschen Blitzkrieg gegen Polen beschreibt. Und auch, als er in der Wolfs-schanze über General von Stauffenberg nachdenkt, dabei - im Gegensatz zu so vielen anderen - ein differenzierteres Bild des Hitler-Attentäters entwirft und eben dadurch das Verhalten des eigenen Vaters für ihn nachvollziehbarer werden kann, dem er zu Beginn noch pauschal Mitläufertum unterstellt hat.

Masuren - Mein Ort. Nirgends" ist keine leichte oder seichte Kost. Das Buch verlangt vom Leser eine gewisse Ernsthaftigkeit. Lässt man sich jedoch auf Burkhard Witteks Reisebe-schreibung und Gedankengänge ein, wird man durch die Lektüre reich beschenkt. Dafür sorgen nicht nur die logisch stringenten Handlungsstränge. Der Autor findet zudem poe- tisch stimmige Bilder. So nimmt er die von den Nazis angeordnete Bücherverbrennung zum Anlass, die Irrationalität jener Zeit aufzuzeigen: Wer sieht noch recht, wenn das Feuer der Scheiterhaufen lodert? Wer erkennt Wahrheit, wenn die Flamme blendet? (...) Wer, wenn es lodert, drängt nicht zum Feuer, sich zu erhitzen?"

Burkhard Witteks Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen. Beschreibt sein Werk in Wahrheit doch ein Gefühl, das viele ansprechen dürfte: Das Verlorensein und die stän- dige Suche des modernen Bildungsbürgers. Auch so kann man nämlich den Titel - in Anleh- nung an Christa Wolfs Buch - lesen: Mein Ort. Nirgends".



Meine Lesung auf der Buchmesse in Leipzig, Sonntag 15. März 2009, 16:00 Uhr:

Am Sonntag, 15. März 2009, fand um 16 Uhr meine erste Lesung aus meinem neuen Buch »Masuren - Mein Ort. Nirgends.« statt. Das Buch ist eine Auseinandersetzung mit meinem Vater, meiner Familie und dem Nationalsozialismus auf dem Hintergrund der Frage nach der Verantwortung des mittleren und gehobenen Bildungsbürgertums für diesen schauer-lichen Teil der deutschen und europäischen Geschichte.

Das Buch wird auf seinen ersten Seiten in einem so genannten Prolog in sehr emotionaler und durchaus provozierender, aber damit auch in sehr verdeutlichender Art und Weise die Gefühle und Fragen benennen, die sich mit diesem Kapitel der eigenen Familie und der deutschen Geschichte für einen Menschen verbinden, der als Nachgeborener hilflos vor Tatsachen steht, die ihn betroffen machen müssen, für die er aber weder Schuld noch direkte Verantwortung trägt. Es ist allenfalls die Verantwortung der Herkunft, der er sich zu stellen vermag und die ihn zwingt, an die Väter und Großväter, die Mütter und Großmütter ganz bestimmte, schmerzliche Fragen zu stellen: zu den Gründen von deutschem Totalitarismus, zu Krieg, Vertreibung und Verlust der Heimat.

Diese an diesem Tag von mir erstmals in der Öffentlichkeit gelesenen Seiten zusammen mit anderen weiteren z.B. von einer Kajakfahrt über die Kruttina mit wunderschönen Naturbeschreibugnen oder meinem Gang durch die Wolfsschanze mit einer Auseinander-setzung über Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Hinblick auf den Stefan George-Kreis, den großen lyrischen Meister, und jenen Obergefreiten der 1. Infanterie-Division, meinen Vater, führte zu einer toxischen Mischung, die einige Zuhörer dazu veranlasste aufzustehen und zu gehen, viele andere aber, in höchster Erwartung auf das Weitere gespannt ergriffen zuzuhören.

Am Ende der Lesung, die nur eine halbe Stunde dauerte, spürte ich, dass die noch Anwesenden am liebsten noch mehr gehört hätten. Aber dafür war leider keine Zeit. Doch eine ältere Dame, gebürtig aus Allenstein, kam auf mich anschließend zu und gratulierte mir zu diesem ergreifenden Text.